SCHULLEBEN

Neben dem normalen Schulalltag haben wir immer wieder Veranstaltungen und Aktivitäten die das Schulleben abwechslungsreich gestalten. Tauchen Sie ein in unser Schulleben und erleben Sie es dank unserer Berichte selbst mit.

Michaela Vidlavkova:                     „Erinnern allein reicht nicht, man muss auch etwas tun, damit sich die Geschichte nicht wiederholt.“

Gedenkstättenfahrt der Klassen 9 nach Theresienstadt 

Vom 15. bis 19. Juni 2026 nahm die Jahrgangsstufe 9 – bestehend aus den Klassen 9a, 9b sowie zwei Schülern der 9c – an einer Bildungsfahrt nach Theresienstadt teil. Begleitet wurden wir von unseren Lehrkräften sowie den Bildungsreferenten Frau Binder und Herrn Konrad. Gefördert und mitfinanziert wurde die Gedenkstättenfahrt von der Brücke/Most-Stiftung, der Landesservicestelle Lernorte des Erinnerns und Gedenkens, der Bethe-Stiftung, dem Staatsministerium für Kultus des Freistaats Sachsen und dem Internationalen Bildungs– und Begegnungswerk.

Am Montag trafen wir uns bereits um 6:15 Uhr am Gymnasium und starteten um 6:30 Uhr mit dem Bus in Richtung Theresienstadt. Nach unserer Ankunft gegen 10 Uhr begann eine Einführungsrunde mit Patricia. Dabei sprachen wir über unsere Erwartungen, mögliche Sorgen und unser bisheriges Vorwissen. Dieser Einstieg half, uns auf die kommenden Tage einzustellen.

Nach dem Mittagessen folgte ein Zeitreise-Workshop mit Miloslav Man, in dem wir auf die historischen Hintergründe vorbereitet wurden. Anschließend besuchten wir die Kleine Festung, die während der nationalsozialistischen Herrschaft als Gefängnis für politische Gefangene genutzt wurde. Die bedrückende Atmosphäre und die Berichte über das grausame Schicksal einiger Inhaftierter hinterließen bei uns einen bleibenden Eindruck. In der abendlichen Reflexionsrunde tauschten wir unsere ersten Gedanken und Eindrücke aus und klärten wichtige Begriffe, bevor der Tag mit Freizeit endete.

Am Dienstag stand die Erkundung des ehemaligen Ghettos auf dem Programm. Zunächst besichtigten wir das Kinderheim und später die Magdeburger Kaserne. Besonders bewegend waren die Zeichnungen der dort lebenden Kinder, die ihren Alltag auf eindrucksvolle Weise festhielten. Auch die Ausstellung über die Deportationen und die vielen Namen der Kinder machten deutlich, wie viele Menschen von den nationalsozialistischen Verbrechen betroffen waren.

Nach dem Mittagessen führte uns der zweite Teil der Führung unter anderem zum Krematorium und zu den Zeremonienräumen. Diese Orte machten das Ausmaß der nationalsozialistischen Verbrechen besonders greifbar. Während einer anschließenden Zeit zur eigenen Erkundung konnten wir selbstständig Orte aufsuchen, die wir interessant fanden oder noch einmal sehen wollten. In der Reflexionsrunde beschäftigten wir uns außerdem mit dem Ursprung des Antisemitismus und tauschten unsere Eindrücke des Tages aus.

Der Mittwoch begann mit einem Workshop über das Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor in Böhmen und Mähren Reinhard Heydrich und dessen Folgen. Anschließend fuhren wir nach Lidice, einem Ort, der nach dem Attentat als Vergeltungsmaßnahme von den Nationalsozialisten dem Erdboden gleichgemacht wurde. Später wurde es von Überlebenden der Sühneaktion in der Nähe wieder aufgebaut. Dabei hörten wir auch Schilderungen von überlebenden Frauen aus Lidice.

Nach dem Mittagessen besuchten wir die Gedenkstätte mit dem Massengrab der 176 sofort  im Dorf erschossenen Männer sowie das Kinderdenkmal für die in KZ´s ermordeten Kinder. Dieser Besuch war für viele von uns einer der emotionalsten Momente der gesamten Fahrt. In der anschließenden Reflexionsrunde wurde deutlich, wie sehr uns die Ereignisse bewegt hatten.

Am Donnerstag ging es nach Prag. Dort erhielten wir eine Führung durch das jüdische Viertel, besichtigten mehrere Synagogen und den jüdischen Friedhof. Danach hatten wir etwas Freizeit, bevor wir die Zeitzeugin Michaela Vidláková trafen. Sie berichtete fast zwei Stunden lang von ihrem Leben als Kind in Theresienstadt und davon, wie sie die Zeit des Nationalsozialismus überlebte. Ihr persönlicher Bericht machte die Geschichte für uns noch greifbarer und war einer der Programmpunkte, die uns noch lange im Gedächtnis bleiben werden.

Am Freitag fand zunächst eine gemeinsame Auswertungsrunde statt. Anschließend hielten wir eine Gedenkzeremonie am Krematorium ab. Dort legten wir Steine und Rosen nieder, um der Opfer zu gedenken. Danach traten wir die Heimreise an und kamen gegen 18 Uhr wieder in Reichenbach an.

Die Bildungsfahrt hat uns gezeigt, dass Geschichte an einem authentischen Ort viel intensiver erlebt werden kann als nur im Unterricht. Die Besuche der Gedenkstätten, die Workshops und besonders das Gespräch mit der Zeitzeugin haben uns die Ereignisse nicht nur vermittelt, sondern auch emotional nähergebracht. Solche Erfahrungen helfen dabei, die Bedeutung von Erinnerung und Verantwortung besser zu verstehen.

Besonders in Erinnerung bleibt uns ein Gedanke, den Michaela Vidláková uns mit auf den Weg gab:

„Erinnern allein reicht nicht, man muss auch etwas tun, damit sich die Geschichte nicht wiederholt.“

(Anna-Maria Heiner, 9a)